Camelot 3000 – König Artus versohlt Alienärsche

Titel: Camelot 3000


Titel: Camelot 3000

Autor: Mike Barr

Zeichner: Brian Bolland

Veröffentlichung Deluxe Edition: 2008 bei DC Comics (Erstveröffentlichung 1982 – 1985)

320 Seiten

Camelot 3000 – König Artus tritt in Alienhintern

Im Jahr 3000 steht die Menschheit kurz vor ihrer endgültigen Vernichtung durch außerirdische Invasoren, die gerade dabei sind, nicht nur London, sondern die ganze Welt in Schutt und Asche zu legen. Auf der Flucht vor den außerirdischen Angreifern findet der junge Tom Prentice ein mysteriöses Grab in einer Art Geheimgang unter Glastonbury Tor, bei dem es sich um die letzte Ruhestätte des legendären König Artus handelt. In diesem Moment erfüllt sich eine uralte Legende, die besagt, dass König Artus eines Tages wiederkehren wird, wenn England ihn am meisten braucht. Gemeinsam mit seinen Rittern der Tafelrunde muss er aber nicht nur sein Land beschützen, sondern gleich die ganze Welt retten. Dabei rechnet er allerdings nicht damit, dass er sehr bald nicht nur dieser neuen Bedrohung, sondern auch seinen alten Feinden trotzen muss…

Camelot 3000 – Pionierarbeit für DC Comics mit wenigen Schwächen

Die von 1982 bis 1985 erschienene Maxiserie „Camelot 3000“ war für DC in mehrfacher Hinsicht eine Pionierleistung. So handelte es sich dabei um die erste zwölf Ausgaben umfassende Maxiserie. Zweitens versuchte DC sich hier zum ersten Mal an einem Comic, der sich primär an Erwachsene richtet. Drittens wurde „Camelot 3000“ als erste nicht auf billigem, sondern auf hochwertigem Papier gedruckt und viertens hat man diese Reihe, da sie einen höheren Anteil an Gewalt und nackter Haut enthielt, als erstes Produkt von DC nicht am Kiosk, sondern nur direkt in den Comicshops verkauft.
Bei aller Pionierarbeit, die „Camelot 3000“ hier geleistet hat, fallen die wenigen vorhandenen Schwächen fast nicht ins Gewicht. Man bemerkt nur hin und wieder, dass immer noch ein wenig zu viel über die Sprechblasen erklärt wird (das geschieht meist, wenn es um den emotionalen Zustand der Figuren geht), obwohl Brian Bolland (der für mich einer der besten Comiczeichner der westlichen Welt ist)  das schon alles mit seiner Arbeit deutlich gemacht hat.

König Artus in neuem Gewand

(Achtung Spoiler) Bei „Camelot 3000“ hat man sich wahrhaft Mühe gegeben, Artus und seiner Tafelrunde ein neues Gewand zu geben. Bei den Rittern der Tafelrunde hat man das getan, indem man sie – im Gegensatz zu Artus und Merlin – zu Wiedergeburten machte, denen Artus und Co die Erinnerungen an ihr früheres Leben erst wiedergeben müssen. Das klassische Liebesdreieck Artus-Guinevere-Lancelot ist zwar nach wie vor vorhanden, bei den Charakteren gibt es aber einige Änderungen. Bei Guinevere hat man die Gelegenheit genutzt, um aus ihr eine wesentlich aktivere Figur zu machen, indem man ihre Wiedergeburt Joan Acten zu einem Commander des Militärs werden ließ. Das hat dann zur Folge, dass Guinevere auch einige Abenteuer allein besteht (was Artus, der natürlich ein [im besten Sinne] altertümlich anmutendes Frauenbild hat, einfach zur Kenntnis nehmen muss). Aus Galahad hat man außerde, einen Samurai gemacht, der um die Wiederherstellung seiner Ehre kämpft und Artus selbst wirkt mit seinen ritterlichen Idealen in der neuen Welt wie ein Fremdkörper aus einer anderen Zeit (was er ja auch ist).
Die mit Abstand interessanteste Bearbeitung erfuhr aber der Ritter Tristan, den man in den Körper einer Frau gesteckt hat, womit er/sie natürlich überhaupt nicht zurecht kommt. Das wird dann auch von Morgan LeFay (die als Artus‘ alte Feindin auch hinter der Alieninvasion steckt) ausgenutzt, die ihm/ihr das Angebot, diesen „Fehler“ der Natur zu korrigieren (wenn er im Gegenzug die Tafelrunde betrügt) und danach, um Tristan in noch tiefere Verzweiflung zu stürzen, gibt sie auch der Wiedergeburt von Isolde ihre Erinnerung wieder, wohl wissend, dass sie Tristan, der/die der Meinung, ist, dass Isolde sich einen echten Mann verdient hat, in noch tiefere Verzweiflung zu stürzen.

Action, Action, Action – und großartige Zeichnungen

Das Hauptaugenmerk liegt bei „Camelot 3000“ aber  (klarerweise) auf der Action und hier wird einem wirklich einiges geboten. Da werden von König Artus schon einmal Aliens mit der Hilfe von Excalibur blutig in zwei Hälften zerteilt (und zwar längs), ihnen die Kehlen aufgeschlitzt und einige schlichtweg erschossen. Die Actionszenen sind genauso großartig gezeichnet wie der gesamte Comic, einzig wenn man sich ansieht, dass z.B. Morgan Lefay eigentlich nicht viel mehr am Körper trägt als eine Perlenkette und einen Umhang, kommt einem der Gedanke, dass manche Zeichnungen die Zeit, in der sie entstanden sind, viel besser illustrieren, als jene, welche sie darstellen sollen (auch Guinevere schlüpft mit der Zeit in ein Kostüm, das sehr stark einer Cheerleaderuniform ähnelt – aber hey, wer bin ich, dass ich mich beschwere? Außerdem braucht ein Kerl wie Artus auch ein paar weibliche Groupies ;-)).

Fazit zu Camelot 3000

„Camelot 3000“ ist ein Comic, der wirklich hervorragend gealtert ist. Action en masse, großartiges Artwork, Figuren, mit denen man mitfiebern kann und eine Story, die jeden Mittelalter- und/oder Science-fiction-Fan vor Freude die Tränen in die Augen treibt. Dazu gibt es zur Deluxe Edition noch einige Zeichnungen von früheren Versionen der Figuren und einen längeren Artikel zur Entstehungsgeschichte von Mike Barr.


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