Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten – Folge 2 der Gruselserie von H. G. Francis

Titel: Gruselserie Folge 2 - Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten


Titel: Gruselserie Folge 2 – Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten

Veröffentlichung: Erstveröffentlichung 1981, Veröffentlichung der CD 1999

Mit: Frank Horst, Brigitte Kollecker, Gottfried Kramer, Hans Paetsch, Johanna Wegener, Karl Walter Diess, Ernst von Klipstein, Benno Sterzenbach, u.a…

Label: Europa

Buch: H. G. Francis

Regie: Heikedine Körting

Dauer: ca. 40 Minuten

Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten

Tom Fawley und Eireen Fox, ein Reporterduo aus London, sind nach Transsylvanien gereist, um dort den berühmten Dr. Stein zu interviewen. Diesem ist es gelungen, einen Humunculus, also einen künstlich erzeugten Menschen, zu erschaffen, was natürlich in der Welt der Wissenschaft einen bahnbrechenden Durchbruch darstellt. Tom und Eireen sitzen gerade in ihrem gemieteten Zimmer beim Abendessen, als plötzlich ein Mann laut schreiend an ihrem Balkon vorbeistürzt. Die beiden rennen nach unten und stellen fest, dass man der Leiche offenbar den Kopf und die rechte Hand abgetrennt hat (wie das so schnell gegangen sein soll, würde mich echt interessieren). Außerdem hören sie noch das irre Lachen des Mörders, während dieser die Flucht ergreift. Noch mysterilser wird der Fall allerdings, als die Leiche am nächsten Morgen verschwunden ist und der Wirt steif und fest behauptet, der Tote wäre auf einem seiner Tische zu Staub zerfallen. Tom und Eireen brechen noch am selben Tag zu ihrem Interview mit Dr. Stein nach Schloss Mordabrunn (ja, das heißt hier wirklich so) auf. Dort warten aber nicht nur Dr. Stein und seine Assistentin Dr. Finistra, sondern auch ein geheimnisvoller Mann namens Graf Cula (die Decknamen der Antagonisten in diesem Hörspiel sind echt zum Schreien). Dieser hat ganz eigene Gründe, Dr. Stein in die Suppe zu spucken….

H. G. Francis starb am 3. November 2011

H. G. Francis ist am 3. November 2011 im Alter von 75 Jahren von uns gegangen. Der Mann, der die deutsche Hörspielszene wie kein zweiter beeinflusst hat, brachte es als Hörspielautor auf insgesamt 130 Goldene Schallplatten und erhielt insgesamt sechsmal Platin. Auch deshalb wollte ich hier einmal mein Lieblingshörspiel von diesem Autor besprechen und zwar den zweiten Teil seiner legendären Gruselserie: „Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten“.

Dracula und Frankenstein: Frühes Crossover der beiden Horrorikonen

(Spoilerwarnung) Bei diesem frühen Aufeinandertreffen von Dracula und Frankenstein hat man als HörerIn durchaus seinen Spaß. Das liegt an mehreren Faktoren. Natürlich darf man bei diesem Hörspiel nicht den Fehler begehen, es zu ernst zu nehmen, denn die Handlung ist so absurd, dass beim Versuch sie nachzuvollziehen, wahrscheinlich die eigene „Suspension of Disbelief“ nach fünf Minuten entnervt die Segel streichen würde. Das beginnt schon beim Mord an Hemator, wo anfangs darauf herumgeritten wird, dass dieser von einem Balkon geworfen wurde, dessen Tür eigentlich vernagelt war und man beim ersten Hören den Eindruck gewinnt, es würde sich hier um einen wichtigen Hinweis handeln….nur, damit man später feststellen muss, dass die Sache nie wieder erwähnt wird. Genauso sollte man sich nie die Frage stellen, wieso Dr. Finistra ausgerechnet Hemator als ihr nächstes Opfer auserkoren hatte. Schließlich sollte man an ihrer Stelle doch Opfer bevorzugen, die möglichst leicht zu erreichen und, wenn es geht, unauffällig zu entsorgen sind, oder? Wieso sucht sie sich dann jemanden, der sich offenbar verstecken will (das alleine wäre ja noch in Ordnung), dringt in sein Versteck ein, ohne dass das Ziel es merkt (wie hat sie das geschafft?)  und schmeißt ihn erst vom Balkon, damit er noch laut schreiend den kompletten Gasthof auf sich aufmerksam machen kann (wieso hat sie ihn nicht gleich im Versteck erledigt?). Fragen über Fragen und dabei habe ich noch gar nicht damit angefangen, davon zu reden, was es für ein großer Zufall ist, dass Dr. Finistra ausgerechnet Hemator erwischt hat und so die Handlung überhaupt erst ins Rollen kommen kann.
Ein weitere Beispiel hierfür sind – wie bereits erwähnt – die Decknamen, welche sich die Antagonisten in diesem Hörspiel gegeben haben. „Dr. Stein“ geht ja noch als normaler Name durch, auch wenn man bei diesem in Verbindung mit dem Stichwort „künstlicher Mensch“ durchaus auf den richtigen Namen kommen kann, wenn man mehr als zwei Gehirnzellen hat. Auch der Name des Schlosses (Mordabrunn!!einself!!) ist wirklich allerleibst. Die Krönung ist aber Dracula, der sich schlicht und ergreifend „Graf Cula“ nennt. An dieser Stelle kippe ich jedes Mal fast mit einem Lachanfall vom Stuhl.
Das Schöne an diesem Hörspiel ist aber, dass dies alles dem Hörspaß keinen Dämpfer versetzen kann. Ja, die Handlung ist vollkommen absurd und an mehr als einer Stelle unfreiwillig komisch. Genau das macht aber den Charme von „Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten“ aus. Hier reiht sich einfach eine Abstrusität an die nächste und das alles ist so herrlich abgedreht, dass man sich nur noch daran erfreuen kann.

Die SprecherInnen und Effekte bei „Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten“

Die Leistungen der SprecherInnen sind bei diesem Hörspiel vor allem deshalb so großartig, weil man ihnen durchaus anmerkt, dass sie ihre Rollen nicht allzu ernst genommen haben dürften.  Vor allem Johanna Wegener rockt als Dr. Finistra die Hütte, während sie gleichzeitig mit der sprichwörtlichen Overacting-Sau Gassi geht und Gottfried Kramer wirkt als Graf Dracula so richtig gut. Aber auch alle anderen liefern durch die Bank gute Leistungen ab.
Auch die Geräuschkulisse wurde – wie eigentlich immer bei H. G. Francis‘ Gruselserie – perfekt umgesetzt. Der Ausdruck „Kino für die Ohren“ trifft es wohl zimelich gut, da die Atmosphäre sehr gut unterstützt wird. Ich finde außerdem, dass die neue Musik, welche bei der CD-Veröffentlichung verwendet werden musste, sehr gut zu diesem Hörspiel passt (auch wenn sie nicht ganz an das Original herankommt).

Fazit

 „Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten“ ist einfach Kult und das vollkommen zurecht. Hier ist alles so himmelschreiend abstrus, dass es einfach nur noch Spaß macht.


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Gregor
Gregor
6. November 2011 13:18

Die Decknamen sind in der Tat herrlich albern.
H. G. Francis ist ja weitgehend an mir vorbei gegangen (wie Hörspiele überhaupt).

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