Hörplanet stellt seine Hörspielproduktion ein, oder: Wie man das mit der Selbstständigkeit NICHT macht

Vor ein paar Tagen hat der Hörplanet, ein seit 2006 tätiges Hörspiellabel, seinen Rückzug aus der Hörspielproduktion angekündigt. Das ist sehr schade, denn die Hörspiele von Dennis Rohling, Michael Eickhorst und Co hatten durchaus viele Fans (vor allem ihre Lady Bedfort Krimireihe). Trotzdem haben es die Menschen vom Hörplaneten immer wieder geschafft, die eigenen KundInnen gegen sich aufzubringen.


Vor ein paar Tagen hat der Hörplanet, ein seit 2006 tätiges Hörspiellabel, seinen Rückzug aus der Hörspielproduktion angekündigt. Das ist sehr schade, denn die Hörspiele von Dennis Rohling, Michael Eickhorst und Co hatten durchaus viele Fans (vor allem ihre Lady Bedfort Krimireihe). Trotzdem haben es die Menschen vom Hörplaneten immer wieder geschafft, die eigenen KundInnen gegen sich aufzubringen.

Das haben sie gleich auf mehrfache Art und Weise getan. Fangen wir zunächst einmal damit an, wie der Hörplanet mit seinen Kritikern umgeht, wenn diese es tatsächlich wagen sollten, die Produkte aus dem Hause Hörplanet nicht ganz so toll zu finden. Da ziehen sie dann nämlich ganz schnell die Krebserkrankung der Mutter von besagtem Kritiker durch den Dreck und zwar am besten gleich via YouTube-Video:

Wenn ich so etwas über meine Auftraggeber sagen würde, hätte ich in spätestens zwei Wochen keine mehr. Hier hat der Hörplanet ja sogar noch den Vorteil, dass es mit Sicherheit genug Kundinnen gibt, die sich einfach nur die Hörspiele kaufen und denen es schlicht egal ist, wer da letztendlich dahinter steckt. Dumm nur, wenn man sich in Foren immer wieder mit besagten Fans anlegt und so einen nicht gerade souveränen Eindruck macht. Da kann es dann schon passieren, dass die Verkaufszahlen zurückgehen und man eine Bettelmail herumschicken muss, in der man mithilfe der eigenen Krankheit ein bisschen auf die Tränendrüse drückt. (Ich habe damals übrigens die Originalmail gelesen, wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, wird in dem Artikel nichts weggelassen.) So leid es mir tut, von der Krankheit von Dennis Rohling zu hören: Damit potenzielle Käufer emotional unter Druck setzen zu wollen ist absolut unprofessionell. Diese Aktion stieß nicht bei allen Fans auf Gegenliebe und als diese das auch öffentlich sagten, waren die Reaktionen entsprechend. Manchen wurde das offensichtlich bis heute nicht verziehen, aber dazu später mehr.

Mimosenhaft bei Kunden und Kollegen
Wer glaubt, dass sich die Menschen hinter dem Hörplanet ihren Kollegen gegenüber irgendwie besser verhalten haben, irrt sich gewaltig. Klickt euch mal ein wenig durch ihre Videos, ihr werdet immer wieder Videos über Thomas Birker, Patrick Holtheuer und andere Hörspielproduzenten finden. Dabei handelt es sich immer um Konkurrenten, die sich irgendwann in der Vergangenheit kritisch über die Praktiken des Hörplaneten geäußert haben (zum Beispiel über die immer wieder per Newsletter versendeten Bettelbriefe) und dann mit Spottvideos bedacht wurden. Dass man sich so in einer Branche keine Freunde macht, muss wohl nicht extra erwähnt werden.
Bei so viel verbrannter Erde verwundert es nicht, wenn man irgendwann nicht mehr anders kann, als sich aus dem Geschäft zurück zu ziehen (zumindest erweckt es den Anschein, auch wenn von Dennis Rohling und Michael Eickhorst in der Vergangenheit immer wieder betonten, wie toll alles läuft und bis zum Schluss sogar noch eine neue Hörspielserie ankündigten). Hat man sich denn wenigstens mit Stil verabschiedet, um so das eigene Gesicht wahren zu können? Nun ja……ihr kennt die Antwort sicher schon. Dieses Zitat hier stammt aus einem ihrer Facebookeinträge zu ihrem Rückzug:

„Freunde der rektalen Blasmusik: uns geht es finanziell exakt genauso wie vor fünf Jahren, vor zehn Jahren, vor drei Wochen.
Der einzige Unterschied ist, dass wir – plump und emotionslos ausgedrückt – keinen BOCK mehr auf den HÖRSPIELkram haben. Das hier heute war eine absolut freie Entscheidung, die aus dem Herzen UND dem Verstand kam. Das sind Areale, die ihr Pappnasen nur bedingt kennt, das wissen wir.“

Und:

„Und hätten die sich nicht die letzten Wochen/Monate so sehr das Maul zerrissen, hätten wir vielleicht noch ein paar Jahre länger nicht bemerkt, dass wir eigentlich überhaupt keine Freude am Produzieren von Hörspielen haben… Also, liebe enttäuschte Fans der Hörplanet-Serien, jetzt wisst ihr Bescheid, wer euch dieses noch frühere Ende geschenkt hat…
Und T-Rex, Markus G., Ben Kenobi, Daneel, warbird, Audiokassette (Amen) und Co: wenn wir den Arsch deswegen zukneifen würden, weil wir GESCHEITERT sind – jetzt mal ehrlich, das raffen doch sogar Hansel wie ihr: dann hätten wir das NIEMALS ÖFFENTLICH gemacht, sondern immer so getan, als würde es bald weitergehen.“

Mal ehrlich, dreister kann man die Verachtung den eigenen Käufern und auch dem eigenen Produkt gegenüber gar nicht mehr zum Ausdruck bringen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich mit den meisten hier mit Foren-Nicknamen angesprochenen Menschen selber schon recht angeregte Diskussionen hatte und es gerade bei diesen SEHR VIEL braucht, um diese wütend zu machen: Diese Form der Schuldzuweisung ist ein ziemlich durchsichtiger Versuch, den Angesprochenen einen Shitstorm aufzuhalsen. Das ist einfach nur stillos.

Ich finde es dennoch sehr schade, dass sich der Hörplanet zu diesem Schritt entschlossen hat. Die Lady Bedfort-Hörspiele hatten viele Fans und auch ich habe ein paar CDs dieser Serie bei mir zuhause. Die wandern auch immer wieder gerne in den Player. Ich wünsche den Machern trotz allem für die Zukunft alles Gute.


avatar
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu:

Alltagshirngespinste auf Facebook

Aktuelle Tweets