Ja, ich glaube von Brian Baugh

Rachel Joy Scott war das erste Opfer des Amoklaufes an der Columbine High School im Jahr 1999. Basierend auf ihren Tagebucheinträgen zeigt der Film ihr Leben und wie schön es sein kann, wenn wir unser Leben ganz Jesus widmen....


Rachel Joy Scott war das erste Opfer des Amoklaufes an der Columbine High School im Jahr 1999. Basierend auf ihren Tagebucheinträgen zeigt der Film ihr Leben und wie schön es sein kann, wenn wir unser Leben ganz Jesus widmen….

 

 

…..nur kugelsicher macht’s einen halt nicht. (Ok, i’ll show myself out…)

Disclaimer: Wenn ich hier irgend etwas Böses sage, dann sage ich das nicht über die echten Personen, sondern nur über die Filmcharaktere und über die Menschen, die hinter diesem Film stecken. Dabei handelt es sich nämlich um „Pure Flix“, also jene Typen, die mit „God’s Not Dead“ & „God’s Not Dead 2“ zwei der verlogensten Propagandafilme der letzten Jahre auf die Menschheit losgelassen haben. 2016 haben sie sich dann dazu entschlossen, sich am Massaker an der Columbine High School zu vergreifen. Und eines haben sie geschafft: Der Film ist auf seine Art noch verlogener als der Schwachsinn mit Kevin Sorbo und Melissa Joan Hart.

Dabei beginnt der Film gar nicht so schlimm. Er wirkt zumindest am Anfang wesentlich weniger missionarisch als die beiden God’s Not Dead-Streifen. Das liegt vor allem daran, dass „Ja, ich glaube“ nicht so plump auf Konfrontationskurs geht. Trotzdem werden hier mal wieder Botschaften auf eine Art und Weise verbreitet, bei der man sich nur noch an den Kopf greifen kann. Der Film beruft sich ja auf die von Rachel Joy Scott geführten Journale, in denen sie über ihr Leben und ihre Ängste schrieb. Darin gab es jede Menge Einträge, die sich mit der typischen Unsicherheit eines Teenagers und deren Lebenskrisen auseinandersetzen. Im Film werden diese Texte direkt mit Szenen kombiniert, in denen sie trinkt, feiert und Spaß mit ihren Freunden hat. Wenn sie gerade in der Kirche ist, oder – aus der Sicht der „Pure Flix“-Chefitäten – christlich handelt, ist von ihren Ängsten plötzlich keine Rede mehr. Dabei wird hier eine Verbindung hergestellt, welche die Textstellen, wenn man sie isoliert betrachtet, schlicht nicht hergeben. Da geht es wie gesagt nur darum, dass sie als junger Mensch unsicher ist, was ihre Zukunft betrifft, also eher die Form von Tagebucheinträgen, die man 20 Jahre später peinlich berührt überspringt, wenn man mal wieder darin blättert. Da ist nichts mit „Ich fühle mich Jesus fern, wenn ich mal etwas tue, das andere Jugendliche auch machen.“, so wie es hier dargestellt wird.

Den Vogel abgeschossen (no pun intended) hat dann schließlich das Ende. Dazu muss vorher noch erklärt werden, dass Rachel Joy Scott in Amerika von vielen zu einer Art Märtyrerin hochstilisiert wird. Dazu gehört auch die Legende, dass es zwischen ihr und Eric Harris, einem der beiden Amokläufer, Sekunden vor ihrer Ermordung ein Gespräch gegeben haben soll. Sinngemäß soll Harris sie – nachdem er Rachel und einen Freund vor der Schule angeschossen hatte – gefragt haben, ob sie auch jetzt noch an Gott glaube. Ihre Antwort war natürlich ja, woraufhin Harris sie mit einem „Dann geh und triff ihn!“ erschossen haben soll. Eine wahre Märtyrergeschichte. Dumm nur, dass sie wahrscheinlich nie stattgefunden hat, weil der einzige, der es bezeugen könnte, sich nicht an ein derartiges Gespräch erinnern kann (siehe hier die entsprechenden Artikel der Denver Post)

So wie ich das sehe, gibt es hier drei Möglichkeiten: Nummer 1 wäre der unwahrscheinliche Fall, dass der Wortwechsel tatsächlich so stattgefunden hat. Dann muss sich Pure Flix vorwerfen lassen, das Schicksal eines jungen Mädchens für einen Propagandafilm auszuschlachten. Möglichkeit Nummer 2 ist in meinen Augen wesentlich wahrscheinlicher und gleichzeitig ungustiöser: Dieser Dialog hat nie stattgefunden und das lässt sich auch sehr leicht herausfinden (der oben verlinkte Artikel war nicht schwer zu finden). Pure Flix war das aber egal, schließlich lässt sich die eigene Agenda so viel effektiver unter die Leute bringen. Die letzte wäre schließlich, dass schlichtweg nicht ordentlich nachrecherchiert wurde, weil es allen Beteiligten schlicht egal war.

Gratulation, liebe Leute von Pure Flix: Ihr habt es geschafft, eine Situation zu erschaffen, in der jedes mögliche Motiv von euch den Film moralisch fragwürdiger aussehen lässt, als er ohnehin schon ist.

Bemerkenswert ist auch, dass man dem Film sehr genau anmerkt, welche Familienmitglieder den Film unterstützt haben und welche wohl eher nicht. So wird Rachels Vater als ein ständig abwesender Totalversager dargestellt, der sich nie um seine Kinder gekümmert hat. Im echten Leben arbeitet er als Pastor, was im Film kein einziges Mal erwähnt wird. Dass er (wie im oben verlinkten Denver Post-Artikel dargestellt wird) sich bewusst ist, dass es sehr unsicher ist, dass alles so geschehen ist, wie es eben jetzt im Film dargestellt wird, hat da sicher einiges damit zu tun. Schließlich wird vonseiten der Produktionsfirma ständig darauf herumgeritten, dass sie bei der Entstehung des Filmes die volle Unterstützung der Mutter hatten. Rachels Vater ist bei solchen Feststellungen nie genannt worden. Das soll keine Beurteilung meinerseits sein, sondern eine reine Feststellung.

Einen kleinen positiven Punkt hat der Film: Masey McLain wirkt in der Hauptrolle sehr natürlich. Ich würde sie gerne mal in einem etwas weniger verlogenen Machwerk sehen.

 

Fazit zu Ja, ich glaube (ich spinne ;))

Rachel Joy Scott war eine junge Frau, deren Leben auf tragische Art und Weise beendet wurde. Wenn man etwas daraus lernen möchte, dann sollten die daraus gezogenen Lektionen dahingehend sein, wie man so etwas in Zukunft verhindern kann. Dieser Film hier bietet darauf leider überhaupt keine Antwort. Schade. Was er aber bietet, ist der definitive Beweis dafür, dass Pure Flix nichts zu niveaulos ist, um ihre eigene Agenda unter die Leute zu bringen. Der Originaltitel lautet ja „I’m not ashamed“. Bei Pure Flix sollten sie das „not“ in Zukunft weglassen.

 


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