La Vida Loca – Die Todesgang von Christian Poveda

La Vida Loca - Die Todesgang (San Salvador 2008)von Christian PovedaIn den Armenvierteln der Hauptstadt San Salvadors haben die Gangs das Sagen. Die ""Mara Salvatrucha" und die "Mara 18" zählen zu den gefährlichsten und brutalsten Gangs Mittelamerikas. Beide stehen miteinander im Krieg, es gibt regelmäßig Tote. Die Gangs bedeuten für ihre Mitglieder alles, sie sind der einzige Ausweg aus der Armut und Familienersatz zugleich. Einmal aufgenommen, kann man sie nicht mehr verlassen. Die Polizei versucht zwar durchzugreifen, ist aber letztlich machtlos gegen die rivalisierenden Banden.


La Vida Loca – Die Todesgang (San Salvador 2008)
von Christian Poveda

In den Armenvierteln der Hauptstadt San Salvadors haben die Gangs das Sagen. Die „“Mara Salvatrucha“ und die „Mara 18“ zählen zu den gefährlichsten und brutalsten Gangs Mittelamerikas. Beide stehen miteinander im Krieg, es gibt regelmäßig Tote. Die Gangs bedeuten für ihre Mitglieder alles, sie sind der einzige Ausweg aus der Armut und Familienersatz zugleich. Einmal aufgenommen, kann man sie nicht mehr verlassen. Die Polizei versucht zwar durchzugreifen, ist aber letztlich machtlos gegen die rivalisierenden Banden.

Es war das erklärte Ziel von Christian Poveda, das knallharte Leben in den Gangs von San Salvador zu zeigen. Deshalb verbrachte er mehrere Monate mit verschiedenen Mitgliedern der Mara 18, filmte und begleitete sie bei ihrem Leben und ließ sie erzählen: Wie sie zur Gang stehen, ihre Aufeinandertreffen mit rivalisierenden Gangs, etc.. Bemerkenswert dabei ist, dass die Gangs auf den ersten Blick nicht das bieten, was den Zuschauern für gewöhnlich in billigen Gangsterfilmen geboten wird: Hier gibt es keine reichen Typen, die gefühlte 100 Goldringe an den Fingern tragen und mit der Limousine durch die Gegend fahren. Die hier gezeigten Menschen kämpfen genauso ums Überleben wie jeder andere in den Slums und die Gangs sorgen augenscheinlich höchstens dafür, dass man noch schneller als üblich auf dem Friedhof landet.
Dann beginnt man langsam zu begreifen, was diese Gangs für die Leute so anziehend macht. Die Menschen, die hier gezeigt werden, sind schon lange vor ihrem Eintritt in die Gang mental gebrochen. Von ihren Eltern verstoßen und ohne Unterstützung von irgend jemand anderen, suchten sie nach Halt, den ihnen nur die Gang bieten konnte. Jetzt haben sie eine Familie gefunden, für die sie ohne zu zögern sterben würden, die Liebe der Gang füllt ein emotionales Vakuum. Die Spirale der Gewalt nehmen sie dabei als gegeben hin. Ich habe noch nie eine Dokumentation gesehen, die so viele Beerdigungen zeigt und irgendwann geht einem das Wehklagen der Frauen und die stoisch daneben stehenden Gangmitglieder, die wahrscheinlich gerade dabei sind, gedanklich den Vergeltungsschlag zu planen, unter die Haut.
Poveda schlägt einem das alles ungefiltert ins Gesicht. Er verzichtet darauf, alles in einen größeren Kontext zu setzen und bleibt mit der Kamera hautnah bei seinen Protagonisten. Es wird nur kurz erwähnt, dass die in San Salvador und anderen Ländern tätigen Gangs von Menschen gegründet wurden, die aus den USA zurückkehrten und ihre Organisationen nach den Vorbildern der Banden aus L. A. aufbauten. Dadurch, dass Poveda den Mikrokosmos seiner Protagonisten nie verlässt, wirkt sein Film hin und wieder chaotisch, was der Dokumentation aber zum Vorteil gereicht, da das Leben in den Slums selbst wohl nicht immer in geordneten Bahnen verläuft.
Dennoch gibt es immer wieder Gangmitglieder, die aussteigen möchten. Poveda zeigt einige Ehemalige, die versuchen, eine Bäckerei zu betreiben und wie schwierig es als Aussteiger sein kann, das Vertrauen von Polizei und Mitbürgern zu erlangen – vor allem, wenn man sich die „18“ als Gangzeichen überall ins Gesicht tätowiert hat.
Ich finde, dass Poveda mit dieser Dokumentation viel Mut bewiesen hat. Leider hat er diesen mit dem Leben bezahlt. Bei der Arbeit an einer wurde er von den Gang mit vier Schüssen in den Kopf hingerichtet. Ein ehemaliger Polizist hatte der Gang erzählt, dass Poveda während seiner Zeit mit der Gang als Informant für die Polizei gearbeitet haben soll (was von der Polizei bestritten wird). Hinzu kommt, dass vor der Premiere von „La Vida Loca“ bereits Raubkopien in San Salvador verbreitet wurden und einige Mara 18-Mitglieder nicht gerade glücklich darüber waren, wie sie von Poveda dargestellt wurden.
Noch ein Wort zum deutschen Titel. Der Zusatz „Die Todesgang“ ist so überflüssig wie irreführend. Dadurch werden Assoziationen geweckt, die den Zuschauer einen anderen Film erwarten lassen. Das hat „La Vida Loca“ nicht verdient.

Fazit zu La Vida Loca
„La Vida Loca – Die Todesgang“ von Christian Poveda ist eine jener Dokumentationen, die man gesehen haben muss, um glauben zu können, dass es so etwas wirklich gibt. Das muss man gesehen haben!


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