Musikreview: Xenia – Ohne Zensur

Öfter mal was Neues: Statt eines Filmes oder Hörspiels möchte ich heute mal ein Musikalbum rezensieren. Dafür greife ich mal ganz tief in meinen Giftschrank und fördere eine CD aus dem Jahr 1992 zutage. Wenn ich mir das Cover so ansehe, frage ich mich, was mich damals geritten hat, mir "Ohne Zensur" von Xenia zu kaufen. War es der große "Ö3 Sendeverbot"-Sticker? Die sexy Dame auf dem Cover? Oder doch eher die Tatsache, dass ich mit zwölfeinhalb in der Pubertät unbedingt "Erwachsenenmusik" hören wollte und gehörig in die Tonne griff mit diesem Kauf? Wir werden es wohl nie wissen....


Öfter mal was Neues: Statt eines Filmes oder Hörspiels möchte ich heute mal ein Musikalbum rezensieren. Dafür greife ich mal ganz tief in meinen Giftschrank und fördere eine CD aus dem Jahr 1992 zutage. Wenn ich mir das Cover so ansehe, frage ich mich, was mich damals geritten hat, mir „Ohne Zensur“ von Xenia zu kaufen. War es der große „Ö3 Sendeverbot“-Sticker? Die sexy Dame auf dem Cover? Oder doch eher die Tatsache, dass ich mit zwölfeinhalb in der Pubertät unbedingt „Erwachsenenmusik“ hören wollte und gehörig in die Tonne griff mit diesem Kauf? Wir werden es wohl nie wissen….

 

Jedenfalls werde ich den ganzen Irrsinn Lied für Lied durchgehen, euch dazu meine Eindrücke mitteilen und einige der Songs hier verlinken (ich soll ja nicht als einziger leiden).

 

Lied 1: Ich bin dir hörig

Das Intro dürfte wohl das nichtssagende Saxophonstück aller Zeiten sein. Der Text macht es leider auch nicht besser, es ist so ein abgenudeltes Klischee, dass alle Männer auf Frauen stehen, die nichts anderes im Kopf haben, als ihren Kerl. Das Lied ist einfach blah und ein sehr schwacher Einstieg. Dafür gibt es Metaphern, die so schief sind, dass sie einen direkt aus dem Song reißen. „Du brennst wie heißer Schnee…“ – Hä??

 

Lied 2: Bulldozer

Dafür geht mit Lied 2 der Wahnsinn so richtig los. Er redet ständig davon, dass er der Bulldozer sei, sie besingt, dass nichts tabu sei, wenn er auf sie zufliegt (aber ein Bulldozer kann doch gar nicht fliegen….?) und sie sein „Dingelingding“ anfassen will. Oh Got, wie alt seid ihr eigentlich? Sechs?? Leider gibt es dieses Lied nirgends online, ich hätte es gerne hier verlinkt…

 

Lied 3: Negerküsse

Allein diese Zeile des Refrains sagt schon alles: „Negerküsse schmecken so erotisch, schwarze Nüsse (!) sind ja so exotisch…“ Das ist nicht nur ungefähr so sexy wie meine Steuererklärung, sondern irgendwie auch ziemlich rassistisch. Ansonsten handelt das Lied nur von der kaffeebraunen Haut ihre Lovers, der außerdem wie ein Gott gebaut ist.

 

Lied 4: Liebe auf den dritten Blick!

Zwei Menschen verlieben sich beim dritten Date. Langweilig. Next!

 

Lied 5: Hast du mal einen Hänger

Ratet mal, worum es hier geht. Nein, es hat nichts LKW-Anhängern zu tun. Ich finde es echt faszinierend, dass das Lied zwar Männer, bei denen es hin und wieder etwas dauert, bis sie so weit sind, aufbauen soll, gleichzeitig das relaxt klingen sollende „Na schön!“ dermaßen passiv-aggressiv rüberkommt, dass mir dabei jeder Gedanke an Sex vergehen würde.

 

Lied 6: Telefonsex

„Telefonsex“ wäre eigentlich eine vergessenswerte Nummer über, naja, Telefonsex, wenn da nicht der Anfang wäre: In der ersten Minute, versucht Xenia einen Typen, der ständig bei ihr anruft und dann nichts sagt, dazu zu überreden mit ihr Telefonsex zu haben. Way to go, um einen Stalker zu motivieren, das muss ich schon sagen.

 

Lied 7: Herr Lehrer

Ganz abgesehen davon, dass die Nummer mit dem Lehrer und der sexy Schülerin schon 1992 einen langen Rauschebart hatte, strotzt diese Nummer nur so vor irrsinnigen Wortspielen. „Mein Mund ist noch ganz steif vom Reife prüfen unter dir“ – Bitte WAS?? Und was soll sein „Uh-Ah“ im Refrain? Trainiert er gerade Karate, gewinnt er die French Open, oder haut ihm jemand mit einem Tischtennisschläger auf den Hodensack?? Nach Sex, Spaß und Geschlechtsverkehr klingt das jedenfalls nicht. Macht euch ruhig selbst ein Bild davon:

 

Lied 8: Mach mit mir Liebe

Klingt in etwa so wie Lied 1. Hat irgendwie überhaupt keinen Mehrwert, der Text besteht nur aus Sprechblasen aus dem Erotik-Baukasten und die Musik klingt wie das Gedudel aus einem schlechten 90er Jahre-Erotikfilm. Wollt ihr mal hören, wie sich das anhört? Bitte schön:

 

Lied 9: Die And’re

Die Hoffnung, dass hier mal irgendein Klischee ausgelassen wird, habe ich mittlerweile aufgegeben. Dass, wer auch immer dieses Lied geschrieben hat, die Aussage „Schlaf doch lieber IN IHR!“ für die ultimative Schlampen-Insultierung hält, ist allerdings herzallerliebst. Ist sie nicht, glaubt mir.

 

Lied 10: Gruppensex

Tolle Texte mal wieder „Fleischeslust steht in Reihe und Glied“, „Ich will mich amüsieren, freche Lumpis in der Hand“, oder „Es wachsen Zentimeter, wenn ich hart auf’s Ganze geh'“ sind nur einige Lyrikperlen dieses Lieds. Man merkt (wie auch bei „Herr Lehrer“) aber wenigstens, dass die Chose nicht ernst gemeint ist. Das macht das Lied immerhin unterhaltsam.

 

Lied 11: Sag ihr du liebst mich

Ein typisches Schlagerliedchen aus der Sicht der „anderen Frau“. Könnte so genauso gut von Helene Fischer oder Andrea Berg stammen:

 

Lied 12: Knüppel aus dem Sack

„Du eroberst mein ewiges Eis“ klingt NICHT erotisch. „Knüppel aus dem Sack, bring mich endlich auf den Geschmack“ übrigens auch nicht. Und es ist langsam auffällig, wie oft die Frau von Penissen singt, ohne auch nur ein einziges Mal das Wort Penis in den Mund zu nehmen.

 

Lied 13: Ohne Zensur

Helene Fischer is back! Und diesmal klingt es so, als hätte die Schlagerqueen ein schlechtes Musical über weibliche Masturbationsfantasien geschrieben. Wird wohl eher nicht am Broadway aufgeführt werden.

 

Lied 14: Fellatio

Die schrägen Zeilen nehmen einfach kein Ende. „Mit Honig auf dem Kopf schmeckst du so zuckersüß…“ No Shit, Sherlock, warum wohl? „Ich blase nicht aus Trübsal, ich hab dich fest im Mund“ hat mich aber zum Lachen gebracht, zugegeben.

 

Lied 15: Im Gold’nen Käfig

Ah, ein Klischee hat doch noch gefehlt: Die Frau, die sich in ihrer Beziehung eingesperrt fühlt. Hätten wir das auch abgehakt. Leider reicht das Lied nicht einmal ansatzweise an den restlichen Wahnsinn heran.

 

Lied 16: Lieb mich auf dem Rücksitz

Oh, wir haben die E-Gitarren entdeckt! Leider geht der Versuch, einen auf Badass zu machen, herzallerliebst ins Höschen. Textlich geht es natürlich darum, wie man sich auf dem Rücksitz eines Cabrios in allen möglichen Positionen ineinander verknoten kann.

 

Lied 17: Zeit zu gehen

Wie sollte es anders sein: Das Lied zur Trennung bildet den Abschluss. Geht es nicht noch offensichtlicher?

 

Völlig egal, wie beschissen das alles klingt: Jeder Trashfan sollte sich diese CD kaufen. Das ist so ein Fall, wo man nur sagen kann, dass man die Lieder alle hören sollte, um tatsächlich erfassen zu können, wie rundum schlecht und unfreiwillig komisch einige der Songs sind. Von mir gibt es daher eine Empfehlung, allerdings nicht aus den Gründen, die sich Xenia und Co vielleicht vorstellen.

 

 


avatar
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu:

Alltagshirngespinste auf Facebook

Aktuelle Tweets