Neonomicon – Alan Moore trifft Lovecrafts Mythos

Neonomicon von Alan Moore und Jacen BurrowsTitel: Neonomicon


Neonomicon von Alan Moore und Jacen Burrows

Titel: Neonomicon

Autor: Alan Moore

Zeichner: Jacen Burrows

Avatar 2011 Taschenbuch

176 Seiten

Neonomicon von Alan Moore

Die beiden FBI Agenten Brears und Lamper sollen eine rätselhäfte Mordserie aufklären, bei der alle Opfer von verschiedenen Tätern, die auf den ersten Blick nicht miteinander zu tun haben, auf exakt identische Art und Weise abgeschlachtet wurden. Der letzte Mörder ist zudem noch Aldo Sax, ein Kollege der beiden, welcher vor ihnen auf den Fall angesetzt worden war. Beim Versuch mit ihm zu reden stellen die beiden fest, dass Sax nur noch in einer ihnen unbekannten, rätselhaften Sprache spricht. Die Spur führt zu einem heruntergekommenen Rockklub. Brears und Lamper beschließen, verdeckt zu ermitteln und stoßen dabei auf Vorgänge, die weit jenseits ihrer Vorstellungskraft liegen…

Wahnsinn mit Methode

Dass Alan Moore einer der besten Comicautoren unserer Tage ist, muss an dieser Stelle wohl nicht weiter erläutert werden. Als ich zum ersten Manl davon hörte, dass sich der Autor von „Watchmen“ und „V wie Vendetta“ an einer Geschichte, die sich dem Mythos rund um die „Großen Alten“ von H. P. Lovecraft widmet, versuchen will, war ich von Anfang an auf das Ergebnis gespannt und hatte entsprechend hohe Erwartungen. Schließlich halte ich Alan Moore für einen erstklassigen Wahnsinnigen und wer sollte sich in einem Gebiet, in dem sich so vieles rund um die menschiche Psyche und ihre mannigfach möglichen Störungen dreht, denn besser auskennen als er?

Keine freie Sicht

(Spoilerwarnung) Wenn man „Neonomicon“ durchblättert und etwas genauer hinschaut fällt einem auf, dass es praktisch kein einziges Panel gibt, in dem der Leser oder die Charaktere freie Sicht auf die Umgebung hätten. Der Blick und die Perspektive werden ständig durch Wände, geschlossene Fenster und andere Dinge beschränkt. Das geht sogar so weit, dass man auf einer Seite gleich zwei Drittel des Platzes opfert und nur zeigt, was Brears und Lamper durch die Windschutzscheibe sehen und selbst das wird noch teilweise blockiert. Faszinierend ist in dieser Hinsicht auch die Stelle, bei der man vieles durch die Augen von Brears sieht – gleich nachdem die ihre Kontaktlinsen herausgenommen hat. Da man dies nur sehr schwer beschreiben kann, verlinke ich hier mal ein Video eines Rezensenten, der dies sehr anschaulich erklärt (und so nebenbei noch ein paar andere Dinge erläutert, die einem beim Lesen von Comics helfen können – schaltet aber die Untertitel ein, der Typ ist oft schwer verständlich):

Teil 1:

Teil 2:

Das klaustrophobische Setting und die sich immer weiter verengende Sicht auf manchen Seiten des Comics hat Jacen Burrows wirklich großartig hingekriegt. Dass „Neonomicon“ auch inhaltlich in die Richtung geht, dass die Charaktere immer mehr in die Ecke gedrängt werden, bis schließlich kein Entkommen mehr möglich ist.
Das „zweigeteilte“ Cover von „Neonomicon“ passt hier sehr gut dazu. Die obere Hälfte zeigt Aldo Sax, dessen geistige Entwicklung offenbar gerade eine eher ungesunde Richtung einschlägt (um es mal vornehm auszudrücken). Interessant ist hier vor allem der untere Teil des Covers. Nicht nur, dass hier wieder die freie Sicht durch gleich drei Wände geblockt wird, ist die Bildkomposition auch so gestaltet, dass Brears und Lamper – ohne es zu sehen –  auf Carcosa, eine zentrale Figur in der geschichte, zulaufen. Alle Wege führen über ihn (und dann zu 100% ins Verderben), er ist der Anfang der Geschehnisse.

Grenzen? Welche Grenzen?

Man kann über Lovecraft sagen was man will, aber man kann wohl kaum behaupten, dass er sich in seinen Geschichten nicht an gewisse Beschränkungen gehalten hat, vor allem im sexuellen Bereich war er im Vergleich zur heutigen Zeit doch eher prüde unterwegs (wobei ein psychologisches Profil des guten Howard hier bestimmt einige…interessante Ergebnisse geliefert hätte). Alan Moore und Jacen Burrows kennen diese Grenzen wohl durchaus, schließlich müssen sie ihnen mal kurz beim Überschreiten zugelächelt haben. Die hier gezeigten Orgien und Morde sieht man ihrer Häufigkeit und vor allem so explizit nicht allzu oft. Dies betrifft vor allem sexuelle Handlungen, unter anderem sieht man auch den Penis eines „Deep Ones“ oder man „darf“ der Massenvergewaltigung von Brears beiwohnen, bevor auch noch besagtes Wesen achtmal über sie drübersteigt (wobei man hier nur das erste Mal sieht). Wer damit nichts anfangen kann, sollte die Finger von „Neonomicon“ lassen.
Guter Spannungsbogen

Besonders gut gelungen ist der Aufbau der Geschichte. Die Spannung steigert sich langsam und bleibt danach konsequent hoch. Die Story unternimmt keinen einzigen Schlenker, es gibt eigentlich keine Nebenhandlungen, was der Sache hier sehr gut tut. Man fiebert mit den Protagonisten mit und erkennt dennoch mit der Zeit immer mehr, dass ihr Bemühen letzten Endes vergebens sein wird.

Fazit zu Neonomicon

„Neonomicon“ von Alan Moore und Jacen Burrows ist das beste Comic über Lovecrafts Mythos, das mir bisher untergekommen ist. Fazit: Unbedingt lesen!


Subscribe
Benachrichtige mich zu:
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Alltagshirngespinste auf Facebook

Aktuelle Tweets