Filme von A bis Z: E wie Erster April 2000

1. April 2000Regeln siehe hier.


1. April 2000

Regeln siehe hier.

Der Buchstabe E bringt mir ein echtes Kuriosum der österreichischen Filmgeschichte. „1. April
 2000″ ist ein Propangandafilm der besonderen Art. 1952 mit vielen Stars der österreichischen Schauspielszene gedreht, war das Ziel, Werbung für das Ende der Besatzung zu machen. Interessant dabei ist, dass ausgerechnet Wolfgang Liebeneiner auf dem Regiestuhl Platz nehmen durfte, der zuvor in der Zeit des dritten Reiches unter anderem die Propagandafilme „Ich klage an“ und Bismarck“ gedreht. Na, das ist doch genau der richtige Mann, um in einem Film zu zeigen, wie demokratisch, gemütlich und gutherzig die Österreicherinnen und Österreicher nicht sind, oder?

1. April 2000 – UFOs, Schönbrunn und Unabhängigkeit

Es ist der erste April 2000 und die neue österreichische Regierung wird von den Hohen Kommissaren angelobt. Da es nach unzähligen, ergebnislosen Verhandlungen in 55 Jahren noch immer zu keiner Einigung über die Unabhängigikeit Österreichs gekommen ist, fordert der neue Ministerpräsident (gespielt von Josef Meinrad) seine Landsleute auf, ein Zeichen zu setzen und die von den Alliierten ausgegebenen, viersprachigen Personalausweise zu zerreißen. Österreich wird daraufhin bezichtigt, den Weltfrieden absichtlich gebrochen zu haben, was das Weltgericht mit seiner Chefin (gespielt von Hilde Krahl) dazu bringt, sofort mit einem UFO nach Schönbrunn zu fliegen und über Österreich allgemein und den neuen Ministerpräsidenten speziell zu Gericht zu sitzen. Der österreichische Ministerpräsident und seine Helfer fahren nun alles auf, was Österreich angeblich liebenswert macht und zeigen soll, wie friedfertig wir sind: Prinz Eugen, Mozart, der liebe Augustin, Kaiserin Maria Theresia, Wiener Wein, Wiener Walzer, Berge, Musikkappellen, etc… Dennoch steht Österreichs Verurteilung kurz bevor. Da fällt dem Ministerpräsidenten die so genannte Moskauer Deklaration in die Hände…

In Ermangelung eines Trailers gibt es hier die Szene der UFO-Landung vor Schönbrunn:

Indentitätsfindung und angestrebte Unabhängigkeit

Der Film „1. April 2000“ hatte genau genommen zwei Ziele. Erstens sollte durch den Film ein starkes Signal an die Alliierten geschickt werden, das den Wunsch der Österreicher nach Unabhängigkeit zeigen sollte. Das zweite und mindestens genauso wichtige Ziel war es, den Österreichern eine eigene Identität zu verpassen, die sich von der Deutschlands abgrenzen sollte. Dabei bediente man sich des Bildes vom gemütlichen, feucht-fröhlichen und friedfertigen Österreicher, das damals schon von den Briten international verbreitet wurde. Erfolg hatte der Film, zumindest was ersteres angeht, nicht wirklich. Zwar gab es drei Jahre später den Staatsvertrag, der Film „1. April 2000“ hatte darauf aber wohl keinen Einfluss. Bemerkenswert ist allerdings die Schauspielerriege, die hier aufgefahren wird. Mit Josef Meinrad, Hilde Krahl, Waltraut Haas, Helmut Qualtinger, Curd Jürgens, Judith Holzmeister, Hans Moser, Paul Hörbiger, Erik Frey, Alma Seidler, Theodor Danegger, Harry Fuss, Guido Wieland und Ulrich Bettac hat man alle verfügbaren Film- und Theatergrößen Österreichs vor die Kamera gezerrt.
Bei der „Kreation“ der österreichischen Identität (die der Film natürlich nicht alleine erfunden hat, ich vereinfach das hier nur sehr stark) zeigt sich auch schon das erste Problem des Filmes. Da wird die ganze Geschichte Österreichs gezeigt – nur die Frage, warum Österreich eigentlich besetzt ist, wird konsequent ausgeklammert. Jetzt könnte man das Fehlen dieser Tatsache mit der Aussage „Hey, das ist doch nur ein gespielter Witz!“ vom Tisch wischen. Genau das (eine harmlose Komödie) ist „1. April 2000“ aber nicht. Der Film ist ein frühes Anzeichen dafür, wie in Österreich nach dem Krieg Vergangenheitsbewältigung betrieben wurde: Österreich war immer nur das arme Opfer. Erst waren wir die Opfer der Nazis, dann die der Besatzer. Dass auch Österreicher zu den Tätern gehört hatten – es wurde ignoriert. Das Ergebnis ist bekannt: Dieser Teil unserer Vergangenheit ist in großen Teilen immer noch eine offene Wunde, die so schnell nicht verheilen wird (wenn überhaupt).

1. April 2000 – Ein Heimatfilm mit UFOs. Ernsthaft.

Wenn man das einmal beiseite lässt, kann man mit dem Film trotzdem jede Menge Spaß haben. Seid doch mal ehrlich, wer von euch ist bei oben zu sehenden Szene, bei der die ostereiförmigen Raumschiffe des Weltsicherheitsrates vor Schönbrunn landen, nicht ob der völligen Surrealität des Gezeigten mit offenem Mund vor dem Monitor saß. Und es wird von da an sogar noch besser. Da erwähnt jemand, dass Österreich vor dem Weltgericht wie ein unschuldiges Kaninchen sitzen würde und schon sieht man alle Beteiligten in Tierkostümen, der Ministerpräsident ist dann ein weißes Kaninchen und das Gericht besteht aus gar pösen Löwen, etc….es ist schlicht unglaublich. Hier wird mit einer Dreistigkeit jedes Klischee bedient, das nicht bei „Drei!“ auf den Bäumen saß. Jedes zuckerlsüße Vorurteil wird hier bedient und das mit voller Absicht und ohne Rücksicht auf Verluste. Und dann kommt noch der brüllende Wahnsinn hinzu, dass ein verdammtes Pappmachéraumschiff mit ein paar Ostereiern mit Lampen vor Schönbrunn landet und ein paar Michelinmännchen mit „Todesstrahlen vom Typ Hadeskiller“ aussteigen, um österreich in ein Museum zu verwandeln. Wenn man dann noch bedenkte, dass – wie gesagt – alles was in Österreich Rang und Namen hatte, in dem Film mitspielte, dann weiß man, wieso man als Freund von Filmobskuritäten „1. April 2000“ gesehen haben muss.

Fazit zu 1. April 2000

Natürlich ist „1. April 2000“ ein Propagandafilm. Man kann mit ihm aber immer noch jede Menge Spaß haben. Bei dem Propagandafilm, der uns beim Buchstaben „J“ begegnen wird, kann man das nicht….


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