Ghostwatch – Geisterjagd mit den Leuten von der BBC

GB 1992Regie: Lesley ManningDrehbuch: Stephen VolkMit: Michael Parkinson, Sarah Greene, Mike Smith, Craig Charles, Gillian Bevan, Brid Brennan, Michelle Wesson, Cherise Wesson, u.a.Produzentin: Ruth BaumgartenLänge: ca. 91 MinutenInhalt von Ghostwatch


GB 1992
Regie: Lesley Manning
Drehbuch: Stephen Volk
Mit: Michael Parkinson, Sarah Greene, Mike Smith, Craig Charles, Gillian Bevan, Brid Brennan, Michelle Wesson, Cherise Wesson, u.a.
Produzentin: Ruth Baumgarten
Länge: ca. 91 Minuten
Inhalt von Ghostwatch

Ein Team des britischen Fernsehsenders BBC rund um Sarah Greene möchte eine Nacht in einem Haus verbringen, in welchem es angeblich spuken soll. Die Familie Early hat davon berichtet, dass in ihrem Haus ein böser Geist jeden der dort lebt terrorisiert. Sarah Greene und ihre Kollegen statten das ganze Haus mit Kameras aus, während sie vom Studio aus von Präsentator Michael Parkinson und Dr. Lin Pascoe beobachtet und angeleitet werden. Während es am Anfang noch relativ ruhig ist, mehren sich die unheimlichen Erscheinungen mit der Zeit so sehr, dass sie für alle Beteiligten lebensbedrohlich werden. Mit der Zeit realisieren die Leute, dass die Dokumentation offenbar die Wirkung einer gigantischen Séance hatte und der Geist nun dabei ist, dass Studio und schon bald das ganze Land anzugreifen…

Kommentar zu Ghostwatch

 (Spoilerwarnung): Jeder von uns kennt die Geschichte rund um H. G. Wells „War of the Worlds“-Hörspiel mit der Panik, welche damals ausgelöst wurde, weil viele Menschen dachten, dass es sich dabei um die Realität handeln würde. Was viele nicht wissen, ist die Tatsache, dass es etwas ähnliches auch einmal in Großbritannien gegeben hat. Zu Halloween im Jahre 1992 wollte man bei der BBC wohl etwas ganz besonderes zeigen und kam auf eine Idee, mit der man gleichzeitig eine Geistergeschichte erzählen und sich über diverse Fernsehformate lustig machen konnte. Mit „Ghostwatch“ nahm man nicht nur den Glauben an das Übersinnliche, sondern auch ähnlich gemachte Dokumentationen aufs Korn (man könnte fast sagen, dass in diesem Fall Ghost Hunters eine jener seltsamen Begebenheiten ist, bei der man das Gefühl hat, dass das Original erst nach der Parodie entstanden ist).

Was die Leute bei BBC nicht bedachten war, dass offenbar ein Hinweis am Anfang, die Veröffentlichung einer Liste der kompletten SchausspielerInnenriege und ein entsprechender Abspann nicht ausreichen könnte, um den Leuten klar zu machen, dass es sich hierbei um Fiktion und nicht um die Wirklichkeit handelt. Die Panik war dann bei manchen Menschen dementsprechend groß, die Telefone bei BBC liefen heiß (angeblich erhielt man dort ungefähr 30.000 Anrufe innerhalb der ersten Stunde nach dem Ende des Filmes), jeder wollte wissen, was denn da nun genau passiert ist. Das folgende Video zeigt einen Ausschnitt aus einer britischen TV-Sendung, die sich mit den Reaktionen der Zuseher befasst hat:
(Ganz ehrlich: Wenn man nicht in der Lage ist zu erkennen, dass die Begriffe „Drama“ und „Fiktion“ hier gleichzusetzen sind, dann sollte man den Fernseher in Zukunft lieber ausgeschaltet lassen). „Ghostwatch“ ist aufgrund der folgenden Kontroverse für 10 Jahre gesperrt worden und wurde im Jahr 2002 auf DVD und VHS veröffentlicht. Die Sendung hat unter anderem den zweifelhaften Ruf, als eine der ersten Fernsehshows zu gelten, die bei Kindern ein Posttraumatisches Stresssyndrom hervorgerufen hat. Das könnte unter Umständen daran liegen, dass man mit Sarah Greene ausgerechnet jemanden engagiert hat, der damals zumindest zum Teil für die Moderation des Kinderprogrammes zuständig war, nur um Frau Greene dann live vor laufender Kamera von einem Geist ermorden zu lassen und das noch dazu auf eine besonders fiese Art und Weise, bei der man zwar nicht viel sieht, die aber das „Kopfkino“ dazu bringt, mit der eigenen Vorstellungskraft ein wenig Achterbahn zu fahren. Dass zeitgleich manche Eltern wohl – da eben die Fernsehkindergartentante eine der Hauptrollen hatte – nicht so ganz genau aufpassten, was sich ihre lieben Kleinen da abends zu Halloween angeschaut haben, hatte die BBC dann den Salat. (Andererseits hatten die Engländer ja schon immer Sinn für schwarzen Humor und vielleicht hat es ihnen einfach einen Heidenspaß gemacht, so vielen Hosenscheißern gleichzeitig den Schock ihre Lebens zu verpassen. Irgendwie kann ich mir ein böses Grinsen gerade nicht verkneifen. ;))
Bei der Vorgeschichte dürfte wohl klar sein, warum ich auf den Film neugierig war, nachdem ich zum ersten Mal davon gehört hatte. Bei so etwas stellt sich mir immer die Frage, warum es offenbar immer wieder Leute gibt, die auf so etwas reinfallen und das Gezeigte für echt halten. Nun, die Antwort ist hier ganz einfach: „Ghostwatch“ ist schlicht und ergreifend ziemlich gut gemacht. Der Film weiß ganz genau, wann er an der Spannungsschraube drehen muss (versucht einmal zu zählen, wie viele unauffällige Sekundenauftritte des Geistes es gibt, bevor er richtig zuschlägt), ohne dabei zu unrealistisch zu wirken und wenn „Pipes“ (so nennen die Kinder den Poltergeist) dann das Studio angreift ist man als Zuschauer ohnehin schon dermaßen emotional ins Geschehen involviert, dass einem eh schon alles egal ist. Ihren Teil tragen da auch die Schauspieler dazu bei, die es schaffen, eben NICHT sehr professionell zu wirken, sondern so, als würden sie gerade zum ersten Mal vor der Kamera stehen (die Familie Early z.B.), oder die sehr glaubhaft vermitteln können, dass sie gerade von wahren Ereignissen berichten (Sarah Greene).
Die Geistererscheinungen sind zwar – mit heutigen Filmen verglichen – nicht wahnsinnig spektakulär (was hier aber wohl auch in der Natur der Sache liegt), aber sie werden durchaus effektiv eingesetzt, was wieder einmal zeigt, dass man keine wahnsinnig teuren 3D-Effekte braucht, um eine gruselige Atmosphäre zu erzeugen. Wenn man sich auf den Film einlässt, dann kann mitunter sogar verstehen, warum „Ghostwatch“ damals auch von vielen Erwachsenen für echt gehalten wurde.
Erwähnenswert ist übrigens auch, dass den Zusehern damals vorgegaukelt wurde, die Sendung wäre live. In Wahrheit war es so, dass die Teile, welche im Spukhaus selbst spielte, schon zuvor aufgenommen worden waren und „nur“ die Szenen aus dem Studio live waren und Michael Parkinson und Co so tun mussten, als würden sie mit dem Außenteam im Haus interagieren (was natürlich auch bedeutet, dass hier jeder Satz sofort zu hundert Prozent sitzen musste, sonst wäre die Sache sofort aufgeflogen).
„Ghostwatch“ diente auch als Inspiration für den weitaus bekannteren „Blair Witch Project“ (wieder einer der Fälle, bei dem mir die Inspirationsquelle besser gefällt als das davon inspirierte Ergebnis. Und zwar um Längen).
Fazit: „Ghostwatch“ ist eine der besten „Mockumentaries“, die ich kenne und auch heute noch auf jeden Fall mehr als einen Blick wert.


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