Meine liebsten Tatort-Folgen – Moltke

Tatort - MoltkeInspiriert von einem Artikel auf Weirdfiction.de habe ich mich dazu entschlossen, hier in unregelmäßigen Abständen meine Lieblingstatorte zu rezensieren. Denn Dirk hat mit seiner Kritik am großen Fernsehschlachtschiff zwar grundsätzlich recht, allerdings gibt es auch einige wirklich gute bis großartige Folgen. Diese will ich hier in Zukunft (völlig ungeordnet und in keiner wie auch immer gearteten Reihenfolge) vorstellen.


Tatort – Moltke

Inspiriert von einem Artikel auf Weirdfiction.de habe ich mich dazu entschlossen, hier in unregelmäßigen Abständen meine Lieblingstatorte zu rezensieren. Denn Dirk hat mit seiner Kritik am großen Fernsehschlachtschiff zwar grundsätzlich recht, allerdings gibt es auch einige wirklich gute bis großartige Folgen. Diese will ich hier in Zukunft (völlig ungeordnet und in keiner wie auch immer gearteten Reihenfolge) vorstellen.

Tatort – Moltke mit Götz George als Horst Schimanski
(Spoilerwarnung für den restlichen Text) Es mag für viele vielleicht ein wenig unoriginell sein, mit einem Schimanski-Tatort zu beginnen, schließlich werden die Filme mit Götz George in seiner Paraderolle ja gerne in allen möglichen Tatort-Bestenlisten geführt. Das ist aber auch völlig zurecht so.
In „Moltke“ aus dem Jahr 1988 wird Schimanski mit einem Fall aus dem Jahr 1978 konfrontiert, den er damals nicht aufklären konnte. Bei einem Überfall gab es einen toten Wachmann und auch einer der Räuber wurde erschossen. Die Täter entkamen unerkannt, bis auf den Polen Pawlak, der bis zum Eintreffen der Polizei bei seinem toten Bruder ausharrte. Dieser Pawlak, der – da er während der 9-jährigen Haftstrafe nie ein Wort über die anderen Täter verlor – von allen nur „Moltke“ genannt wurde, ist nun wieder auf freiem Fuß. (Benannt haben sie ihn nach General von Moltke, dessen Spitzname „der große Schweiger“ war.) Als Schimanski mit seinem Kollegen Thanner gerade seine Weihnachtseinkäufe ins Auto laden will, findet er eine Überraschung: In seinem Kofferraum liegt ein gefesselter und geknebelter Mann. Dabei handelt es sich um einen gewissen Gress, der von Schimanski damals schon verdächtigt wurde, einer der Räuber gewesen zu sein. Schimanski ist schnell klar, dass Moltke auf der Suche nach dem Mörder seines Bruders ist. Als es dann die ersten Leichen gibt, denken alle, dass Moltke der Täter ist. Nur Schimanski vermutet, dass der Mörder von Moltkes Bruder hinter den Morden stecken könnte. Er verbündet sich mit Moltke (auch gegen seine eigenen Kollegen), will den ehemaligen Häftling aber gleichzeitig davon abhalten, den unbekannten Dritten umzubringen. Ein Wettlauf der beiden beginnt…

Dieser Schimanski-Tatort ist einer meiner liebsten Tatorte. Das liegt erstens daran, dass der oft so schwerfällig-verkrampfte sozialkritische Einschlag hier Gott sei Dank völlig fehlt. Hier geht es einfach nur um die Rache eines Mannes an den Mördern seines Bruders. Dass einem dieser Tatort aber so sehr im Gedächtnis bleibt, liegt an Götz George und Hubert Kramar. George ist in seiner Paraderolle als Schimanski sowieso großartig. Hubert Kramar wirkt als Moltke gleichzeitig bedrohlich, entschlossen und irgendwie auch mitleiderregend, sodass man ihn in der einen Sekunde mitfühlend zusieht und ihm in der nächsten lieber nicht im Dunkeln begegnen möchte. Den Adolf Grimme Preis bekam er dafür vollkommen zurecht. Besonders gelungen finde ich hier den Schluss, wenn Moltke und Schimanski gemeinsam auf dem Dach eines Gebäudes auf den Täter zugehen, sich dabei immer gegenseitig belauern und man sich als Zuschauer denkt, es würde gleich die Hölle losbrechen.  Jürgen Heinrich wiederum schafft es als arroganter Immobilienhai Gress, dass man ihm schon nach zwei Minuten eine reinhauen möchte und Eberhard Feik wirkt als Thanner so richtig schön gestresst und angefressen, wenn er wieder einmal Schimanskis Scherbenhaufen wegräumen darf. Eine kleine Rolle hat auch Dieter Bohlen, der mit Blue System auch den Soundtrack zu diesem Tatort beigesteuert hat.

Gelungene Auflösung
„Moltke“ kommt außerdem zugute, dass die Auflösung auch für Krimi-Allesseher nicht sofort zu erkennen, aber nichtsdestotrotz logisch aufgebaut ist (was beim Tatort auch nicht immer der Fall ist). So hat man hinterher nicht das Gefühl, dass der Mörder – wie in so vielen Agatha Christie Krimis auch – erst in den letzten Minuten auftaucht und alle bis dahin gelegten Spuren eigentlich nur Zeitverschwendung waren. Im Gegenteil, man fragt sich, warum man selbst nicht schon früher auf die Lösung gekommen ist, was wohl daran liegt, dass Regisseur Hajo Gies und die Drehbuchautoren Axel Götz, Jan Hinter und Thomas Weßkamp den Zuschauer recht elegant davon wegführen.

Fazit zu Moltke
„Moltke“ gehört meiner Meinung nach zu den besten Tatort-Folgen überhaupt. Das liegt daran, dass er die „Tatort-Formel“ (die hier sehr schön parodiert wird) gekonnt aufbricht und nicht nur nach Schema F verfahren wird. Krimifans können sich den Film bedenkenlos zulegen. Zum Abschluss gibt es hier noch eine Doku über Schimanski, die ich auf YouTube gefunden habe:

Viellicht könnte der Tatort heute wieder Menschen wie Hajo Gies und Götz George brauchen, die „auf Zoff aus“ sind und dem alten Schlachtschiff der Öffentlich-Rechtlichen wieder etwas mehr Leben einhauchen.


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