Pavor – Eine Nacht voller Angst

Titel: Pavor


Titel: Pavor

Veröffentlichung: 2010 bei der Lauscherlounge

Autor: Florian Bald

Regie: Oliver Rohrbeck

Musik: Dirk Wilhelm

Sounddesign: Tommi Schneefuß

Mit: Oliver Rohrbeck, Margit Bendokat, Jürgen Thormann, Tanja Fornaro, Simon Jäger, u.a.

Länge: ca. 69 Minuten

Pavor – Angst

Als Alexanders Onkel Iwan im ukrainischen Dorf Pavor (dessen Name auch das lateinische Wort für „Angst“ ist) stirbt, muss dieser zum ersten Mal seit langem zurück in seine Heimat, da natürlich die Beerdigung ansteht. Begeistert ist er nicht gerade davon, da ihm einige seiner Verwandten seine Auswanderung nach Deutschland noch immer übel nehmen. Er möchte am liebsten auch gleich wieder auf dem Absatz kehrt machen, als er erfährt, dass seine Mutter gar kein Bett für ihn hat und er in Onkel Iwans altem Haus übernachten muss. Das allein wäre ja kein Problem, aber die Tatsache, dass Onkel Iwan immer noch im Schlafzimmer liegt, weil die Sargträger sich geweigert hatten, ihn über die Schwelle zu tragen, lässt ihm doch ziemlich mulmig im Magen werden. Das ist aber noch nichts im Vergleich zu der bevorstehenden Nacht, die Alexander bis zu einem tragischen Ereignis in seiner Kindheit führt und für Alexander endlich klärt, warum ihm beim Gedanken an seine Heimat immer zuerst ein Beet von Stiefmütterchen einfällt…
(Die Hörprobe dauert nur fünf Minuten obwohl acht Minuten angezeigt werden.)

Atmosphärisches Hörspiel

„Pavor“ ist ein Hörspiel, das unter anderem von seiner großartig eingefangenen Atmosphäre lebt. Die melancholische „Schwere“, die auf Alexander lastet, ist die ganze Zeit über greifbar. Warum das so ist, begreift man allerdings erst mit der Zeit, die einzelnen Ebenen zeigen sich erst nach und nach. Es ist echt faszinierend, wie geschickt hier mit der Frage „Was ist real und was nicht?“ gespielt wird. Die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen immer mehr. Passiert das alles gerade wirklich? Oder entspringen die Vorgänge Alexanders Geist, weil der mit der Situation nicht fertig wird? Vielleicht leidet er an Pavor nocturnus, einer Krankheit, die sich wohl nicht zufällig ihren Namen mit dem Hörspiel teilt? „Pavor“ lässt hier durachus Raum für Interpretationen.

Großartige Soundkulisse und SprecherInnen

Besonders gut gelungen ist die sehr subtile Soundkulisse, die die Geschichte hervorragend unterstützt und für echte Gänsehaut sorgt, auch die Musik steht dem in nichts nach. So richtig klasse wird „Pavor“ aber erst durch seine Sprecherinnen und Sprecher. Oliver Rohrbeck (der ohnehin einer meiner Lieblingssprecher ist) agiert in absoluter Höchstform und Margit Bendokat ist als seine Mutter ziemlich witzig. Bei Rohrbeck ist außerdem bemerkenswert, dass er es schafft, dass man beim Hören keine Sekunde lang an seine Paraderollen als Justus Jonas aus den drei Fragezeichen und als Synchronsprecher von Ben Stiller denkt.

Schöne Schauergeschichte

„Pavor“ ist eine schön gemachte Schauergeschichte, die zwar nicht das allerhöchste Erzähltempo an den Tag legt, aber gerade dadurch, dass sich das Unbehagen erst langsam zum blanken Horror steigert, zieht Pavor die Hörer erst so richtig in die Geschichte hinein. Einzig die Einleitung ist vielleicht ein wenig zu lange, man hätte das Hörspiel hier vielleicht ein wenig straffen können. Sonst ist Pavor wirklich einen Blick wert. Ich weiß, dass das ein eher kurzes Review war, aber an dem Hörspiel gibts nichts auszusetzen. 😉


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